Effektives Routing — so geht es

· Francis
Effektives Routing — so geht es

Grundprinzip

Routing ist eine Navigationshilfe, die zwei verschiedenen — nicht unbedingt widersprüchlichen — Zwecken dienen kann:

  • Auf Fahrt: Komfort und Sicherheit, Vermeidung von Wind- und Seeverhältnissen, die für Schiff und Besatzung nicht beherrschbar sind,
  • Im Rennsegeln: Leistung, die beste Effizienz für die beste Passagezeit.

Routing ist wie ein Kochrezept: Man braucht zunächst gute Zutaten:

  • Eine Geschwindigkeitspolare, die die theoretischen Zielgeschwindigkeiten des Bootes in Abhängigkeit von der wahren Windstärke (TWS) und dem Segelwinkel bezogen auf die wahre Windrichtung (TWA) enthält.
  • Eine Route mit möglichst wenigen Wegpunkten: am besten nur Abfahrt und Ziel. Zwischenpunkte sollten nur für unvermeidliche Passagepunkte verwendet werden.
  • Mehrere GRIB-Dateien, die die Route großzügig abdecken: Wind, Wellen, Strömungen — die aktuellsten verfügbaren, mit ausreichendem zeitlichen Horizont für die ungefähre Dauer der Passage.
  • Ein Abfahrtsdatum innerhalb des zeitlichen Rahmens der GRIB-Dateien und so früh wie möglich.

Das Rezept

Das Rezept basiert auf einem Routing-Algorithmus — einer ausgeklügelten Berechnung, deren innere Abläufe geheim sind. Diese Berechnung ermittelt eine optimierte Route, indem Wind- und Strömungswerte sowie Wellendaten mit den Werten der Geschwindigkeitspolare des Bootes kombiniert werden — entlang eines Kurses vom Start bis zum Ziel.

Die Berechnung integriert außerdem eine Reihe von Einstellungen, mit denen der Navigator den Berechnungsdaten Bedingungen auferlegen und bestimmte Parameter verfeinern kann.

Umsetzung

Polare

Geschwindigkeitspolare

Route

Route

Abfahrtspunkt

Abfahrtspunkt

Ankunftspunkt

Ankunftspunkt

Wie abgebildet, verläuft die Route direkt über Land, und die Abfahrts- und Ankunftspunkte liegen auf See — nicht in den Häfen!

Wind-GRIB

Wind-GRIB

Strömungs-GRIB

Strömungs-GRIB

Wellen-GRIB

Wellen-GRIB

3. Die Routing-Berechnung

Die Routing-Berechnung wird über die Aktionsschaltfläche „PLUS" gestartet:

Startbildschirm

Wählen Sie die für die Routenlänge geeigneten GRIB-Dateien mit der höchsten verfügbaren Auflösung für das betreffende geografische Gebiet aus.

GRIB-Dateien auswählen

In diesem Beispiel, für eine Strecke von etwa 700 Seemeilen bei einer polarbedingten Dauer von rund 60 Stunden, sind die Modelle ICON Europe 0,07° (5 sm) oder IFS 0,1° (6 sm) für das Mittelmeer geeignet.

Das erste Routing ergibt bei sehr variablen Windverhältnissen und wechselnden Strömungen im Alboran-Meer eine recht küstennahe Strecke. Eine genauere Analyse ist erforderlich.

Abfahrt

Erstes Routing — Abfahrt

Die Abfahrt umrundet die Spitze von Europa korrekt.

Ankunft

Die Ankunft im Port des Torrent umrundet trotz sehr schwachem Wind die vorgelagerten Inseln korrekt.

Ankunft — Port des Torrent

Die Passage südlich des Cabo de Palos bietet jedoch enge Kreuzkurse zwischen der Küste und dem Verkehrstrennungsgebiet. Es empfiehlt sich, weiter offshore zu passieren. Wir verwenden einen „Pivotpunkt", um das Routing in diesem Bereich anzupassen.

Passage Cabo de Palos

Wählen Sie das Routing im linken Bedienfeld aus und blenden Sie die Isochronen in der Ebene „Anzeige" ein. Indem Sie die Karte unter der erscheinenden gelben Linie verschieben, gleiten Sie durch die Isochronen, um einen neuen Punkt zu finden, von dem aus das Routing „geschwenkt" werden soll. Ein Rechtsklick oder Drücken des gewählten Punkts startet das Routing vom Pivotpunkt neu.

Isochronen einblenden Pivotpunkt

Das Routing wird vom Pivotpunkt bis zum Ziel fortgesetzt. Im linken Bedienfeld können Sie beide Routing-Ergebnisse vergleichen — insbesondere den Einfluss des Pivotpunkts auf die Gesamtdauer.

Erstellen Sie unbedingt eine ZOI für das Verkehrstrennungsgebiet beim Cabo de Palos sowie eine ZOI am Ziel, um die umliegenden Inseln zu umfahren.

ZOI — Verkehrstrennungsgebiet Cabo de Palos

4. Routing-Einstellungen

Routing-Vergleich

Die Routing-Vorabeinstellungen sollten entsprechend Ihrer Geschwindigkeitspolare — aktiviert in den Einstellungen „Mein Boot" — und Ihrer Segelweise vorgenommen werden. Sie werden in der FAQ ausführlich beschrieben und sind dauerhaft gespeichert.

In bestimmten Fällen können Sie diese jedoch für ein bestimmtes Routing direkt im Berechnungsfenster ändern, ohne die allgemeinen Einstellungen zu beeinflussen.

5. Sonderfall: Multi-GRIB-Routing

Es können mehrere Windmodelle für eine Passage ausgewählt werden. Ziel ist es, ein Windmodell mit ausreichender zeitlicher Abdeckung für die gesamte Route zu wählen und ein höher aufgelöstes Modell für den ersten Teil der Strecke. Das längere Modell löst das kürzere zeitlich ab.

Multi-GRIB-Routing — ICON Europe 5 Tage (blau) Multi-GRIB-Routing — IFS 0,1° 10 Tage (orange)

Im obigen Beispiel wird ein erstes Lorient–Madeira-Routing mit einem ICON-Europe-Modell für 5 Tage berechnet. Am Ende der GRIB-Datei bricht es ab — es handelt sich also um ein Teilrouting (blau). Anschließend wird ein zweites Routing durchgeführt, diesmal mit einem IFS-0,1°-Modell für 10 Tage. Dieses übernimmt vom ersten und liefert letztendlich eine höhere Genauigkeit (orange).

Die Umsetzung des Multi-GRIB-Routings wird in der FAQ ausführlich beschrieben.

6. Empfehlungen

Polare anpassen: Polaren sind immer optimistisch (Architektenberechnungen). Sie müssen deren Effizienz in verschiedenen Situationen anpassen, indem Sie Ihre tatsächliche Fahrt mit den erstellten Routings vergleichen. Sie können die Effizienz (meistens) verringern oder erhöhen — „unterwegs". Außerdem hat die maximale TWS-Winkelbegrenzung am Wind und raum eine erhebliche Bedeutung für die Relevanz der Routings an diesen Grenzkursen.

Isochroenschrittweite einstellen: In den meisten Fällen lassen Sie diese auf „Auto". Die Berechnung passt die Schrittweite an die Entfernung zwischen zwei Punkten an und verringert sie beim Start und in der Nähe des Ziels. Wenn Sie eine feste Schrittweite einstellen, ist es bei Strecken über einige Seemeilen sinnlos, diese zu kurz zu wählen — es bringt keine höhere Präzision, erfordert erhebliche Rechenleistung und wird kontraproduktiv.

Begrenzungseinstellungen (max. TWS, Wellenhöhe): Gehen Sie vorsichtig mit diesen Begrenzungen um, da sie zu unmöglichen Routings führen können. Überprüfen Sie die Windvorhersagen und Wellenprognosen entlang der Route. Sind die Werte für Ihr Boot und Ihre Besatzung zu hoch, ist kein Routing sinnvoll: Fahren Sie nicht los! Die farbcodierte GRIB-Darstellung in Farbverläufen oder Isoflächen kann helfen: Solange Sie im Grünen sind, ist alles klar. Sobald es gelblich wird, verschlechtern sich die Bedingungen; im Roten und Magenta: besser nicht — es sei denn, Sie sind ein erfahrener und routinierter Regattasegler!

Konsultieren Sie die FAQ-Einträge der Kategorie „Routing" für weitere Details.